Kinder der Freiheit

Ken Follett: Kinder der Freiheit (Die Jahrhundert-Saga Teil 3)
⭐️⭐️⭐️❌❌ (3/5)
— Ein buntes Potpourri aus historischen Ereignissen verpackt in einer Art Porno in Buchform.

⭐️ (i) Handlung: Es handelt sich um einen Streifzug durch die Weltgeschichte zwischen den frühen 60ern und dem Jahr 1989, der aus der Sicht mehrere (vieler!) Personen erzählt wird, die ‚zufällig‘ bei allen wichtigen Ereignissen dabei sind. Es werden die Geschichten der aus den beiden Vorgängern „Sturz der Titanen“ und „Winter der Welt“ bekannten Familien fortgesetzt, allerdings nicht abgeschlossen oder zusammengeführt (was auch nicht nötig ist, da die Handlungsstränge ja von Anfang an nur sehr lose miteinander verknüpft sind).

⭐️ (ii) Setting/Background: Der geschichtliche Hintergrund ist wie in den beiden Teilen zuvor sehr gut recherchiert und dargestellt. Durch die Verbindung mit den Lebensgeschichten der Protagonist:innen wirkt alles sehr lebendig und detailliert. Einige große geschichtliche Ereignisse werden behandelt, wobei die 60er sehr viel Raum einnehmen; später geht es eher etwas zu flott durch die Geschichte (was angesichts des Umfangs des Buches aber verzeihlich ist) und es werden ein paar Schlüsselmomente komplett weggelassen (z.B. die Mondlandung oder der sowjetische Einmarsch in Afghanistan).

❌ (iii) Charaktere: Meiner Meinung nach einer der Schwachpunkte des Romans. Zum einen gibt es zu viele Protagonist:innen und damit zu viele Handlungsstränge, zum anderen wird man mit den Charakteren meist nicht wirklich warm. Das liegt m.E. daran, dass es sich – wie in den beiden Vorgängern – ausnahmslos um absolute Überflieger handelt, die mit perfektem Aussehen, fundierter Bildung (Harvard, Berkeley usw.) und Spitzenjob, zumeist in der Politik, gesegnet sind. (Selbst das anfängliche Sorgenkind entwickelt sich später zum millionenschweren Popstar und Musikproduzenten.) Das ist zum Teil verständlich, weil man ja die Nähe zu den Mächtigen braucht, um die Handlung voranzubringen, wirkt aber oft unglaubwürdig und unsympathisch. Auch fehlen für meinen Geschmack die Antagonist:innen; der einzige, der bzgl. politischer Haltung von den restlichen Personen abweicht (weil er ein Konservativer ist) wirkt unglaubwürdig und etwas lächerlich. Insgesamt sind die Ansichten der Charaktere aus heutiger Sicht z.T. unangebracht und sexistisch; das mag der dargestellten Epoche geschuldet sein, könnte aber besser aufgearbeitet werden (Platz dazu wäre genug…).

⭐️ (iv) Stil & Sprache: Die Charaktere führen sehr gute Dialoge. Es wird viel beschrieben und es erfolgt viel innere Handlung, was aber bei einem historischen Roman genau wie die häufigen Rückblenden nicht weiter stört. Negativ fallen maximal die (seltenen) Perspektivverletzungen und Vorgriffe (á la „Er sollte es bald herausfinden.“) auf.

❌  (v) Sonstiges: Der Roman wäre – trotz seines Umfangs von über 1200 Seiten – angenehm zu lesen und empfehlenswert, wenn es nicht einen wirklich störenden Punkt gäbe: die (selbst im Vergleich zu den Vorgängern) überhand nehmenden Sexszenen. In beinahe jedem Kapitel wird Sex zwischen den Charakteren entweder (sehr umfangreich) beschrieben oder sie denken zumindest darüber nach. Leider wird auch eine Vergewaltigung detailliert geschildert, was mich beinahe dazu gebracht hätte das Buch wegzulegen. Aber ich lese ja fast alles zu Ende – hier war es definitiv anstrengend, aber zumindest kann ich nun behaupten mich durch die monumentale Jahrhundert-Saga (sind ja nur 3000 Seiten) endlich durchgekämpft zu haben.

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